Hahnemann









 

 

 

 

Biographie in Stichworten

1755 geboren am 10. April in Meissen
1767-75 Lateinschule in Meissen
1775-76 Medizinstudium in Leipzig
1777 ein Semester in Wien, hospitiert beim Leibarzt der Kaiserin, Arzt am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder
1777-79 Hausarzt und Bibliothekar in Hermannstadt
1778-79 Ende des Studiums und Dissertation
1779 Abschluß des Studiums in Erlangen,
1780 niedergelassener Arzt in Hettstedt
1781 Ausbildung in praktischer Pharmazie
1782 Heirat mit Henriette Küchler
1782 Niederlassung in Gommern
1784 Beschäftigung mit med.-chem. Prozessen, Verfassung seiner 1. Schrift: "Anleitung, alte Schäden und faule Geschwüre heilen"
1786 Publikation: "Über die Arsenikvergiftung"
1789 Umzug nach Leipzig
1790 Übersetzung der "Materia Medica" von William Cullen
1792 Einrichtung der "Irrenanstalt für die besseren Stände" in Schloß Georgental
1793-99 Veröffentlichung: "Apotheker-Lexikon"
1796 erste Formulierung des SIMILE in der Schrift: "Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen
1806 "Heilkunde der Erfahrung" (gilt als Vorläufer des Organon)
1810 "Organon der rationellen Heilkunde"
1811 erstmals Erwähnung des Begriffes "Verdünnung" im Sinne von Potenzierung
1811-21 Habilitation: "De helleborismo veterum"
1811-21 sechs Bände "Reine Arzneimittellehre"
1812 Privatdozent an der Universität Leipzig
1819-35 Leibarzt des Herzogs Ferdinand von Anhalt-Köthen, Ernennung zum Hofrat
1827 benutzt Hahnemann den Begriff "Potenzierung" zum ersten mal offiziell
1828 "Die chronischen Krankheiten"
1829 Gründung: Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte
1830 Henriette stirbt
1831 Cholera-Epidemie, Vorahnung der Krankheitsübertragung durch "kleinste Lebewesen"
1832 Herausgabe: "Allgemeine homöopathische Zeitung"
1835 Heirat mit Melanie D'Hervilly (1802-1878) und Übersiedlung nach Paris
1839 das Wirksamkeitsprinzip: "Homöopathische Dynamisierungen sind wahre Erweckungen in natürlichen Körpern der verborgen gelegenen arzneilichen Eigenschaften."
1843 Samuel Hahnemann stirbt am 2. Juli und wird auf Montmartre begraben, erst später erfolgt die Beisetzung auf dem Pére Lachaise

 

Dr. med. Christian Friedrich Samuel HAHNEMANN
(1755-1843, Germany, France)

 

Hahnemann starb im 88. Lebensjahr. Ein hohes Alter, das von seinen Bewunderern als ein Beweis für die Wirksamkeit seines medikamentösen Therapieprinzips angesehen wird, denn Hahnemann ist der Begründer der Homöopathie, jener Lehre, nach der jede Krankheit mit demselben Mittel in kleinen Mengen zu heilen sei, welches in größeren Mengen ein der Krankheit ähnliches Bild erzeugt.

Hahnemanns junge Jahre sind geprägt durch eine disziplinierte Schulerziehung. In sehr jungem Alter schon spricht er mehrere Sprachen. Mit zwölf Jahren gibt er Lateinunterricht an seinem Gymnasium in Meißen . Dem Wunsch seines Vaters, aus wirtschaftlichen Gründen einen handwerklichen Beruf zu ergreifen, widerspricht er und entschließt sich, Medizin zu studieren.
Zwanzigjährig geht er nach Leipzig, und ernährt sich von da an selbst.

Die Ausbildungsvoraussetzungen in Leipzig an der Fakultät der Medizin sind schlecht. Patienten sieht er nicht. Er wechselt seinen Wohnsitz und beginnt damit einen Weg, den er bis in seine Köthener Zeit nicht wieder verläßt. Er zieht umher. Diesmal nach Wien, zu Quarin, einem Medizinreformer seiner Zeit. Er wird Privatassistent.
Im Jahr 1777 erhält er eine Anstellung als Bibliothekar und Hausarzt des Baron v. Bruckenthal in Hermannstadt (Rumänien). Er betreibt Studien über Malaria in den sumpfigen Tiefebenen Siebenbürgens, die dort endemisch ist. Hier tritt er in die Freimaurerloge ein. 1779 kehrt er nach Deutschland zurück und beendet sein Medizinstudium an der Universität in Erlangen. Die Dissertation trägt den Titel "Conspectus affectum spasmodicorum aetiologicus et therapeuticus" (Ursache und Therapie von Krampfzuständen). Seine ersten Praxen sind erfolglos. Er wechselt wieder und wieder seinen Wohnort. Seine erste Ehe schließt er mit der Apothekertochter Henriette Küchler 1782 in Dessau.
In den nächsten Jahren hält er sich und seine Familie mit Unterrichten und Übersetzen über Wasser. Die jungen Jahre sind voller Entbehrung. Seine Arbeiten werden allerdings in der Fachwelt anerkannt. Er gilt als kenntnisreich und begabt. Unbefriedigende Erfahrungen mit der orthodoxen Medizin bewegen ihn zur Aufgabe seiner Praxistätigkeit für eine Zeit von ca. acht Jahren
Er widmet sich dem Studium der Chemie, Pharmacie und Medizin. Arbeiten wie "Anleitung, alte Schäden und faulige Geschwüre gründlich zu heilen" . Aber auch banale Infektionskrankheiten wie Scharlach etc. sind massenhaft tägliches Brot für die Aerzte im 18.Jahrhundert.
Er lernt Belladonna als vorzügliches Heilmittel bei Scharlach kennen. Mittlerweile zweifelt er nicht nur an orthodoxer Medizin. Er lehnt sie ab! Zunehmend wird er zum Zankapfel seiner medizinischen Zeitgenossen.
Ihm fällt auf, daß Kranke sehr sensibel auf Reize reagieren. Zu Beginn seiner pharmakologischen Studien sind Verdünnungen von Giften nötiger Bestandteil seiner Versuche. Er bemerkt allerdings auch, daß die Wirkung in einem reziproken Verhältnis zu der Verdünnung steht (Gedanke der Potenzierung). In einer Zeit, in der mehr oder weniger Preßsäfte und relativ konzentrierte Verdünnungen von Pharmaka eine Rolle innerhalb der ärztlichen Praxis spielen, rütteln seine Ideen hoher Verdünnungen von Substanzen, an den Grundfesten der herkömmlichen Medizin.
In den nächsten zehn Jahren belegt Hahnemann durch zahlreiche Veröffentlichungen seine Autorität in bezug auf Pharmakologie und Medizin. Zwischen 1793 und 1799 gibt er ein Lexikon für Apotheker heraus. Durch seine Schrift "Heilung und Verhütung des Scharlachfiebers" und die damals umstrittene Abhandlung "Über die Kraft kleiner Gaben der Arzneien überhaupt, und der Belladonna insbesondere" verschafft er sich bei dem größten Teil seiner Kollegen einen eigenartigen Ruf.
Aber diese Kritik entbehrt der Grundlage; denn Hahnemann belegt an der Kasuistik seines Patienten Klockenbring, daß er hervorragende ärztliche Fähigkeiten besitzt.
"Striche zur Schilderung Klockenbrings während seines Trübsinns" (Deutsche Monatszeitschrift Februar 1796) (Stramonium-Fall)
In diesem Jahr bündeln sich seine Gedanken erstmalig in Form eines theoretischen Konzepts.
1796 ist das Geburtsjahr der Homöopathie.
Hahnemann veröffentlicht in Königlutter seine Arbeit: "Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen"
Diese Arbeit ist Grundlage für das "Organon der rationellen Heilkunde".
In den nun folgenden Jahren entwickelt Hahnemann Theorie und Praxis der Homöopathie weiter zu einer in sich geschlossenen Therapie. Er steht in regem Kontakt mit den medizinischen Autoritäten seiner Zeit. Zwischen 1811 und 1821 hält er Vorlesungen über Pharmakologie in Leipzig. Seine Habilitation trägt den Titiel "De Helleborismo veterum" (Über die Christrose bei den Alten) Leibzig 1812. Um den Doktor schart sich eine Gruppe von Aerzten und Wissenschaftlern, die der Homöopathie fasziniert aber auch skeptisch gegenüberstehen.
Professor Hecker aus Berlin beginnt 1810 das öffentliche Kesseltreiben gegen Hahnemann. Seine Kritik an Hahnemann faßt er in einer derart rüden und beleidigenden Form ab, daß sich das Lager endgültig spaltet. Die Allopathen sehen einen Scharlatan in ihren Reihen. Die Apothekerzunft befürchtet Umsatzeinbußen. Die Situation in Leipzig spitzt sich immer mehr zu. Hahnemann verläßt Leipzig und zieht auf Einladung des Fürsten Ferdinand von Anhalt-Köthen nach Köthen. Im Alter von sechsundsechzig Jahren (1821) findet Hahnemann in Köthen erstmalig einen Platz, an dem er lange Jahre leben wird. Seine Frau stirbt 1830. Hahnemann lebt mit seinen Töchtern zusammen. Seit dieser Zeit hat er nie mehr die wirtschaftlichen Sorgen der jungen Jahre. In den nächsten Jahren erscheint das Organon in erneuter Auflage.
Im Jahr 1829 feiert Hahnemanns mit seinen Schülern sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Es werden eintausendzweihundert Taler für die Errichtung eines Homöopathischen Krankenhauses gesammelt.
Während der Choleraepidemie um das Jahre 1830 veröffentlicht er mehrere Schriften über die "Heilung der asiatischen Cholera" und bestimmt hier die (später ) verifizierten homöopathischen Arzneien für die Behandlung von Cholera, ohne selbst je einen Fall gesehen zu haben.
Im Jahr 1835 bekommt Hahnemann Besuch von der französischen Malerin Melanie d´Hervilly.
Er erliegt im hohen Alter von achtzig Jahren dem Charme dieser jungen Frau, heiratet sie und verläßt Köthen zusammen mit ihr, um in Paris zu praktizieren. Hier widmet er sich einer extensiven, sehr erfolgreichen Praxis, beeinflußt die französische Homöopathie und beendet das Manuskript der sechsten Auflage des Organons.
Hahnemann stirbt am 2. Juli 1843. Er wird auf dem Friedhof von Montmatre begraben. Im Jahre 1898 wird seine Leiche exhumiert. Seine endgültige Ruhestätte findet er auf dem Friedhof Pere Lachaise in Paris unter den "Unsterblichen Frankreichs"